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PayPal hat das Start-Up iZettle übernommen
Paypal kauft iZettle Hersteller von Kreditkarten-Lesegeräten
Paypal kauft iZettle Hersteller von Kreditkarten-Lesegeräten
© SylvieBouchard / iStock

PayPal kauft den Mobil-Bezahldienst iZettle vor dessen geplantem Börsengang. Während für iZettle bei dem Deal viel Geld fließt - mehr, als der Börsengang eingebracht hätte -, kann PayPal künftig die mobilen Kreditkartenlesegeräte von iZettle nutzen. Damit werden für die Kunden PayPal-Zahlungen per Kreditkarte möglich.

Großer Deal für PayPal

Wenn PayPal den schwedischen Mobil-Bezahldienst iZettle übernommen hat, wird das der bislang größte Deal für den Bezahldienstleister gewesen sein. Die Übernahme kostet 2,2 Milliarden Dollar, das bestätigte Paypal-Chef Dan Schulman gegenüber Bloomberg. Zum Wall Street Journal waren schon vorab Insider-Informationen über das geplante Geschäft durchgesickert. Die mobilen Kartenlesegeräte von iZettle, die denen des US-Rivalen Square ähneln, ermöglichen das Bezahlen mit Kreditkarten auch an Marktständen oder bei anderen mobilen Händlern wie etwa Food-Trucks. PayPal möchte mit dem Zukauf in diesem Geschäft expandieren und sich zugleich in den Märkten von iZettle stark positionieren. Das sind vorrangig Europa und Lateinamerika.

Perfekter Zeitpunkt für die Übernahme

Beide Unternehmen sind gegenwärtig gut aufgestellt. Während iZettle im laufenden Geschäftsjahr 2018 mit rund 165 Millionen Dollar Erlös bei sechs Milliarden Dollar abgewickeltem Zahlungsvolumen rechnen kann, ist PayPal inzwischen der führende Online-Zahlungsdienstleister und soll einen Börsenwert von über 94 Milliarden Euro aufweisen. Die Firma iZettle wurde 2010 gegründet und hat ihren Sitz in Stockholm. Paypal gehörte bis 2015 zu Ebay und konnte sich nach der Trennung von der Muttergesellschaft sehr erfolgreich entwickeln. Wenn zwei gesunde Unternehmen zusammenfinden, gilt das immer als aussichtsreich – unabhängig von der Form der Verschmelzung als Übernahme oder Fusion.

Dennoch ist der Übernahmezeitpunkt auch bemerkenswert. Wenige Tage vor dem PayPal-Angebot hatte iZettle nämlich den Börsengang beantragt. Nach den daraufhin erfolgten Expertisen hätte dieser 227 Millionen Dollar eingebracht, während das Unternehmen mit 1,1 Milliarden Dollar bewertet wurde. Das bedeutet: PayPal zahlt den doppelten Unternehmenswert und ein Vielfaches des wahrscheinlichen Börsenerlöses. Natürlich ist es nicht verwunderlich, dass die Alteigentümer von iZettle diese Offerte annehmen. Solche Vorgänge sind auch nicht so ungewöhnlich, wie es scheinen mag. Die Investoren allerdings, welche an den letzten Finanzierungsrunden von iZettle beteiligt waren, sind eher wenig begeistert. Sie hätten für sich durch einen Börsengang ein besseres Geschäft erhofft. Dazu gehören unter anderem mehrere schwedische Pensionsfonds, die wohl enttäuscht vom abgeblasenen Börsengang sind, aber keine offiziellen Statements abgeben.

Rückschlag für die Börse in Stockholm

Die Stockholmer Börse muss die Absage von iZettle als Rückschlag verbuchen. Es ist in kurzer Zeit das zweite schwedische Hightech-Unternehmen, das sich nicht für seine Heimatbörse entscheidet. Erst vor wenigen Wochen hatte der schwedische Streamingdienst Spotify seinen Börsengang nach New York verlegt. Die Stockholmer Börse würde jedoch sehr gern ein weltweit agierendes Hightech-Unternehmen aus der Heimat listen. Die Gründung von iZettle zielt auf das stark wachsende Zukunftsfeld des Lebens ohne Cash. Nicht umsonst entstand in Schweden so ein Unternehmen, in dem skandinavischen Land spielt Bargeld nur noch eine kleine Rolle, nämlich für höchstens 20 Prozent aller Zahlungen. Es gibt schon etliche schwedische Einzelhändler, die kein Bargeld mehr akzeptieren. Auch schwedische Banken haben in vier Fünftel aller Filialen den Bargeldverkehr eingestellt. Die bargeldlose Gesellschaft kommt, PayPal und iZettle treiben sie voran.